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» 2013 » Mai » 24 » Wolfenstein: The New Order - Angespielt
Wolfenstein: The New Order - Angespielt
09:20



Retro-Zukunfts-Nazis greifen an - Angespielt

Im zweiten Teil unserer exklusiven Vorschau zu Wolfenstein: The New Order spielen wir selbst - und müssen uns im virtuellen London mit Panzerhunden und Nazi-Technologie herumschlagen.

Nach den ersten Infos zu Wolfenstein: The New Order folgen jetzt exklusive Angespielt-Eindrücke. Als einziges deutsches Magazin konnten wir bei Entwickler MaschineGames in Schweden den kommenden Shooter nicht nur ansehen, sondern auch selbst spielen.

Ortswechsel. Wir befinden uns mit Blaskowicz in einem Auto. Regen prasselt auf den Asphalt, die roten Doppeldecker-Busse am Straßenrand lassen keinen Zweifel daran, dass wir in London sind. Unser Fahrer heißt Bobby, er dient ebenfalls im Widerstand. Etwas mulmig ist uns schon, als wir eine deutsche Straßensperre passieren und auf das Ziel unserer Fahrt zurollen: die »Nautica«. Das riesige Gebäude schält sich vor uns aus dem Regen wie ein duschendes Ungeheuer, hunderte Meter hoch ragt der Komplex in den wolkenverhangenen Himmel.

Hier sollen wir für den Widerstand Angriffshelikopter zerstören und nach wichtigen Dokumenten Ausschau halten. Mit den Worten »Viel Glück, B.J« drückt uns Bobby eine Knarre in die Hand, lässt uns aussteigen und rast im nächsten Moment in vollem Tempo auf den Haupteingang zu. Die Wucht der folgenden Explosion reißt uns von den Füßen, eine meterhohe Statue kracht vor uns auf den Boden. Wir rappeln uns auf und erledigen die ersten anstürmenden Nazis mit unserer Pistole.


Die Panzerhunde sind flinke und zähe Gegner.



Wir laufen weiter auf das Gebäude und die Trümmerlandschaft davor zu, als wir plötzlich von einem wütenden Roboterhund angefallen werden. Wir ziehen uns zurück und feuern wild auf das bedrohliche Vieh. »Panzerhunde sind zähe Gegner«, lacht Jerk Gustafsson neben uns, »am besten umgeht ihr sie.« Wir flüchten lieber, hören das gierige Kläffen hinter uns und sehen gerade noch, wie das Biest hinter uns von einem herabfallenden Geröllteil zerquetscht wird. Jetzt haben wir fast den zerstörten Eingang der Nautica erreicht, müssen vorher allerdings noch durch einen Zaun, der der Explosion offensichtlich standgehalten hat - warum auch immer.

Für solche Hindernisse gibt's in The New Order einen futuristischen Schweißbrenner, der ein wenig an den Plasma-Cutter aus Dead Space erinnert. Entweder verschießt Blaskowicz damit kurze Lichtwellen oder mit der Zweitfunktion einen gebündelten Laserstrahl, der sich prima dazu eignet, Türen aufzuschweißen. Wir betreten durch einen Trümmer-Korridor und am brennenden Autowrack vorbei den lichtdurchfluteten Eingang der Laboranlage und werden direkt von einem großen Kampfroboter überrascht, der in der Halle patrouilliert. Das nächste Feuergefecht beginnt.


Hintergrund: MachineGames
MachineGames existiert seit 2009, damals wurde das Studio von Jim Kjellin, Magnus Högdahl, Fredrik Ljungdahl, Jens Matthies, Kjell Emanuelsson, Michael Wynne und Jerk Gustafsson gegründet. Sämtliche Gründungsmitglieder arbeiteten vorher bei Starbreeze beschäftigt, das unter anderem für The Darkness oder The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay verantwortlich zeichnete. 2010 wurde MachineGames von ZeniMax aufgekauft, Wolfenstein: The New Order ist das erste Projekt des Teams. Der Sitz von MachineGames ist Uppsala in Schweden, in den Büros arbeiten knapp 60 Leute.


Wie in alten Zeiten

Die Schießereien fühlen sich angenehm rund an, wie bei Rage erinnert das Waffenverhalten von Wolfenstein: The New Order stark an die Shooter der späten 90er-Jahre. Das gilt übrigens auch für die restliche Spielmechanik: Wenn wir zum Beispiel getroffen werden, sinkt zuerst unsere Schildenergie, danach geht es der Lebensenergie an den Kragen, die sich nur teilweise wieder regeneriert. So wandert unser Blick ebenso hektisch wie regelmäßig nach unten zur Energieanzeige, eine Augenbewegung, die man heutzutage »dank« der überpräsenten Selbstheilung schon fast verlernt hat.

Darüber hinaus funktioniert das Deckungssystem ausgezeichnet. Zwar klemmt sich Blaskowicz nicht direkt hinter Vorsprünge und Hindernisse, kann aber in die Hocke gehen und per Steuerkreuz oder Mausbewegung hinter dem Schutz hervorlehnen, um Gegner auszuspähen. So lange darf er sich dann allerdings nicht bewegen. Das funktioniert wie in anderen Teilen der Serie und verleiht dem Spiel ein erfrischendes »Old-School-Gefühl«. So ballern wir dem Mech aus der Deckung mehrere Pistolensalven in den Stahlschädel, bis er letztendlich zuckend und funkensprühend seinen Dienst quittiert.


Die Feuergefechte in Wolfenstein: The New Order sind geradlinig und kompromisslos.



Im nächsten Raum wartet keine Erholung, sondern die nächste Gegnerhorde, die hektisch Angriffsbefehle bellt. Ein Soldat hat ein Stand-MG bemannt, Mündungsfeuer blitzt auf. Unsere Schildanzeige rast nach unten, wir flüchten hinter eine niedrige Mauer und klauben anschließend eine Maschinenpistole auf. Die Waffenpalette in Wolfenstein: The New Order soll von historischen bis futuristisch anmutenden Knarren ein buntes Potpourri bieten, viele Waffen lassen sich zudem beidhändig führen. Übertriebene Superkräfte soll es dagegen nicht mehr geben.

Wir schnappen uns ein Medikit und erledigen nach und nach die Nazis, bevor wir mit einer platzierten Granate das Geschütz ausschalten. »Es lohnt sich, sich in den Gebieten genauer umzusehen«, hakt Jerk Gustafsson ein. »In diesem Raum gibt es zum Beispiel einen Lüftungsschacht, durch den ihr hinter das Geschütz gelangen könnt.« Im fertigen Spiel soll es noch mehr solcher Details geben, zum Beispiel Objekte wie Fässer oder Nachbildungen von Kampfflugzeugen, die Blaskowicz von der Decke schießen und auf Gegner krachen lassen kann.


Fuck you, Moon!

Die nächste Station ist eine Halle mit einem gigantischen Mondmodell in der Mitte, der »Moon Dome«. Stählerne Treppen führen um den Nachbau herum nach oben, überall patrouillieren feindliche Soldaten. Blaskowicz beurteilt die Szenerie mit einem markigen Zweizeiler (»They sent a Nazi to the moon. Fuck you, moon!«) und eröffnet das Feuer. Teile des Modells krachen zu Boden, Putz spritzt von der Decke, Tische und Stühle werden in ihre Einzelteile zerlegt. Teile der Umgebung sind bei Wolfenstein: The New Order zerstörbar, so weit wie Battlefield 3 geht der Titel aber nicht. Nach und nach kämpfen wir uns bis zur Spitze des Modells vor, Nazis purzeln nach unseren Treffern die Treppen herab, die Kampfatmosphäre ist dicht und intensiv.


Das liegt vor allem an den Gegnern, die oft clever in Deckung gehen, uns mit Sperrfeuer eindecken oder auch mal versuchen, uns in die Seite zu fallen. Oben angekommen, finden wir in einer Kiste zwei futuristische Schrotflinten. Dieser Zuwachs an Feuerkraft bleibt von Blaskowicz nicht unkommentiert: »I got some bad news for you, Fritz!« Mit den beiden Wummen in den Händen ballert sich B.J. seinen Weg durch einen Wartungsschacht. Um hier weiterzukommen, müssen wir eine Luke öffnen, diese ist allerdings mit Drähten gesichert. Da hilft nur eines: Kurzschluss!

In einer Art Minispiel müssen wir die beiden Controllersticks (wir spielen mit dem Gamepad) so bewegen, dass sich die Enden der beiden Drähte berühren. Solche auflockernden Einlagen wird es im Spiel häufiger geben. Einen kurzen Funkenflug später haben wir die Luke geöffnet und gelangen durch einen Liftschacht in die Forschungsstation. Erwähnenswert: Die gesamte Nautica scheint ein zusammenhängender Level zu sein, der zu keinem Zeitpunkt von Ladepausen unterbrochen wird.

Spaß mit dem Laser

Die gesuchten Dokumente liegen zwischen Mikroskopen und blinkenden Apparaturen auf einem Schreibtisch. Jetzt nur noch die Helikopter zerstören! Wir wollen den Raum gerade verlassen, als uns ein Glaskasten mit einer riesigen Laserwaffe ins Auge fällt. Die müssen wir haben! Also hüpfen wir auf den Kasten, schweißen zwei Schlösser auf und reißen die Wumme aus ihrer Verankerung. Das bleibt nicht unbemerkt, sofort schrillen Alarmsirenen und uniformierte Deutsche stürmen schreiend in den Raum. Ein Druck auf den Abzug und der erste Angreifer zerplatzt wie eine überreife Tomate - hallo, USK!

Auch der Rest des Wachtrupps wird im wahrsten Sinne des Wortes in seine Einzelteile zerlegt, die Wände wechseln die Farbe von kaltem Grau auf warmes Rot. Und just, als wir die nächste Tür passieren wollen, donnert vor uns ein meterhoher Mech durch die Wand, zerreißt das Metall wie Papierschlangen und bäumt sich brüllend vor uns auf. Und Sekundenbruchteile danach ein schwarzer Bildschirm. Unsere Anspielzeit mit Wolfenstein: The New Order ist zu Ende.


Der Riesenmech stellt Blaskowicz vor große Probleme. Gut, dass der Agent selbst hervorragend bewaffnet ist.



Dass wir direkt weiterspielen wollen, zeigt, dass MachineGames auf einem guten Weg sind. The New Order vereint das Spielgefühl der alten Teile mit technischen Spielereien und interessanten Sequenzen wie dem Arier-Test im Zug. Die Shooter-Mechanik funktioniert sehr solide, vor allem die Lebens- und Schildenergie gibt dem Spiel einen gewissen Retro-Charme. Dazu kommen die riesigen Bauten, die bizarre alternative Geschichte und die futuristische Technologie. Die Welt zu entdecken ist gleichermaßen interessant wie aufregend, ähnlich wie das Gefühl, das wir hatten, als wir in Bioshock das erste Mal in der Tauchkugel Kurs auf Rapture nahmen.

Technisch macht The New Order ebenfalls schon eine sehr gute Figur. Kein Wunder, schließlich schlummert unter der Wolfenstein-Haube die potente id-Tech-5-Engine, die zuletzt in Rage zum Einsatz kam. Die gezeigten Levels sind detailliert und stimmungsvoll, bei den Schusswechseln glänzt die Engine mit tollen Partikel- und Feuereffekten. Gleiches gilt für die gedämpfte Lichtstimmung, die perfekt zum düsteren Unterton des Spiels passt. Überrascht sind wir von der guten Qualität der deutschen Sprecher.

Gerade der Dialog mit Obersturmbannführer Engel ist perfekt lippensynchron und wirkt zu keinem Zeitpunkt »amerikanisiert«. Bei ihrem Liebhaber Bubi hört man dagegen sofort den österreichischen Dialekt heraus. Jerk Gustafsson merkt an, dass man bei der Vertonung bewusst auf Muttersprachler gesetzt hat, um die Stimmen so natürlich wie möglich wirken zu lassen. Das klappt auch hervorragend, lediglich manche Angriffsschreie der deutschen Soldaten wirken gekünstelt.


Kein Mehrspieler-Modus

Der Fokus von Wolfenstein: The New Order liegt klar auf dem Story-Modus. Daher sind auch keinerlei Mehrspieler- oder Koop-Modi geplant, wie uns die Entwickler in Schweden bestätigten. Zusätzlichen Anreiz nach dem Durchspielen wird es dennoch geben. Unter anderem sollen unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und - ganz in der Serientradition - versteckte Extras die Spieler auch nach dem Abspann bei Laune halten.


Fazit der Redaktion

Wolfenstein: The New Order :


Tobias Veltin: Ich gestehe, das neue Wolfenstein hat mich überrascht. MachineGames gießt ein solides Shooter-Fundament, das sich toll anfühlt, und schmückt es dann mit Erzählsequenzen aus. Der Titel verabschiedet sich zwar nahezu komplett von der Okkultismus-Thematik, wartet dafür aber mit dem interessanten Alternativszenario auf - der serientypische Anflug von Wahnsinn bleibt also erhalten. Es mag komisch klingen, aber ich bin ziemlich gespannt, was die Nazis im fertigen Spiel noch so alles mit ihrer Technologie auf der Welt angestellt haben. Auch die Erzählweise scheint den ein oder anderen Überraschungsmoment bereitzuhalten - die Verhörszene im Zug fand ich jedenfalls schon klasse.

Somit könnte Wolfenstein: The New Order tatsächlich deutlich mehr werden als ein generischer 08/15-Shooter - auch wenn er das im Kern sicherlich ist und auch sein soll. Mal sehen, wie gut MachineGames die lineare Schießerei letztlich verpackt - oder ob's doch nur bei den guten Ansätzen bleibt.


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Aufrufe: 831 | Hinzugefügt von: re:lax








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